Dauerausstellung

Kamenz verfügt spätestens seit dem Jahr 1225 über Stadtrecht und blickt somit auf mehr als 785 Jahre Stadtgeschichte zurück.
Zu Beginn ist diese eng mit den Herren von Vesta (später: „von Kamenz“) verknüpft, einem Adelsgeschlecht, das von Thüringen aus in den Kamenzer Raum gelangte und hier eine bedeutende Herrschaft errichtete. Unter seiner Führung wurde das Land urbar gemacht, und es entstanden Dörfer und Städte in einem bis dahin nur sporadisch besiedelten Gebiet.
Die Lage der Stadt Kamenz an der via regia, einer wichtigen Handelsstraße, die das Rhein-Main-Gebiet mit dem Osten Europas verband, förderte die Entwicklung der Stadt. Als Mitglied des 1346 gegründeten Sechsstädtebundes übte sie im späten Mittelalter gemeinsam mit Bautzen, Görlitz, Lauban, Löbau und Zittau großen Einfluss aus auf Politik, Wirtschaft und Kultur der Oberlausitz.
Die Ausstellungsfläche im 1. Obergeschoss des Malzhauses widmet sich der Stadtgeschichte von den Anfängen bis in das 18. Jahrhundert hinein. Verschiedene damals wichtige und noch heute in der Stadt vorhandene Bauten bzw. Örtlichkeiten werden vorgestellt und in ihrer Geschichte zurückverfolgt. So geht es z. B. um die mittelalterliche Stadtbefestigung, um das Rathaus als Gebäude städtischer Selbstverwaltung, um das noch kurz vor der Reformation auf Drängen des böhmischen Königs hin errichtete Franziskanerkloster, um die 1432 abgerissene Burganlage auf dem Schlossberg und um die verschiedenen Kirchen der Stadt.
Der Ausstellungsbereich im Erdgeschoss des Malzhauses legt den inhaltlichen Schwerpunkt in das 19. Jahrhundert und auf die Industriealisierung. Sie bescherte der Stadt nach einer langen Zeit der Stagnation einen kräftigen Aufschwung. Wichtige Themen sind die Tuchindustrie, die Keramische Industrie, die Brauerei, das Glaswerk und Kamenz als Garnisonsstadt. Der Besucher erfährt aber auch so manch Interessantes über die Anlagen auf dem Hutberg, über die vielen Stadtbrände und natürlich über das Kamenzer Forstfest.

Zum Malzhaus

Maschine zur Reinigung des Getreides
Maschine zur Reinigung des Getreides

In einem Malzhaus wird Getreide, und hier vor allem Gerste, zu Malz verarbeitet.
Den meisten Menschen ist es als ein Ausgangsstoff für die Herstellung von Bier bekannt. Doch nicht nur Brauereien benötigen Malz. Brennereien machen daraus guten Whisky und Bäckereien verleihen mit Malz ihren Backwaren Lockerheit, Farbe und ein besonderes Aroma. Und nicht zu vergessen - ohne Malz gäbe es weder Malzkaffee noch Malzbonbons.
Für ein gutes Malz wird das zu vermälzende Getreide zuerst gereinigt, sortiert und zum Keimen gebracht. Das so entstandene Grünmalz muss anschließend in einer Darre trocknen. Durch die gezielte Steuerung der Keim- und Darrprozesse kann der Mälzer die Beschaffenheit des Malzes auf die spätere Verwendung hin abstimmen.
Brauereien sind der größte Abnehmer von Malz. Im Gegensatz zum unverarbeiteten Getreide verfügt das Braumalz über eine völlig andere stoffliche Beschaffenheit und über eine größere Menge wichtiger Enzyme. Dadurch wird es z. B. möglich, im Sudhaus der Brauerei die unlösliche Stärke in löslichen Malzzucker umzuwandeln.

Im Kamenzer Malzhaus wurde früher wohl vorrangig Braumalz hergestellt. Die Nachfrage war groß, denn seit dem Mittelalter war der Verkauf von selbstgebrautem Bier für viele Kamenzer Bürger ein wichtiger Nebenerwerb.

„Es soll niemand brauen, mälzen noch Malz machen, sofern er nicht einen eigenen Hof besitzt“ (Kamenzer Willkür 1420)

Das Recht, Bier zu brauen, war in Kamenz ursprünglich an den Besitz eines Wohnhauses geknüpft, das mit der Braugerechtigkeit versehen war. In den 1680er Jahren z.B. lagen 232 Wohnhäuser innerhalb der Ringmauer. Davon verfügten 201 Häuser über ein eigenes Braurecht.
Für das Bierbrauen konnten die brauberechtigten Bürger der Stadt eines der vielen Brauhäuser nutzen. Das Einlagern der Fässer und der Bierverkauf dagegen erfolgten zuhause. Einmal im Jahr wurde in einem komplizierten Verfahren ausgelost, wer wann Bier brauen und ausschenken durfte.

Chroniken vermelden, dass die Kamenzer 1529 stolze 2330 Fass Bier brauten. Dafür wurden 8514 Scheffel Gerste vermälzt.

Neben mehreren Brauhäusern gab es auch mehrere Malzdarren bzw. Malzhäuser in der Stadt. Nur ein einziges blieb erhalten. Heute ist das Malzhaus der älteste Profanbau der Stadt.
Das Gebäude wurde vermutlich im 17. Jahrhundert auf der Grundfläche zweier Vorgängerbauten errichtet und ersetzte wohl mehrere kleine Malzdarren innerhalb der Stadt. Dies war nicht nur wirtschaftlicher, es verringerte vor allem die Brandgefahr. Nicht nur beim Brauen, auch beim Darren ist ein kräftiges Feuer vonnöten.
Das alte Malzhaus in der Zwingerstraße war noch bis in die 1930er Jahre hinein in Betrieb.

Hier [1.672 KB] können Sie ein Faltblatt zum Malzhaus und der Malzherstellung herunterladen.